Einleitung:
Tjaaaa, das sind einige der Fragen die einem Solo-Motorradfahrer mit Familie, irgendwann mal durch die Gehirnwindungen düsen. Ich will hier keinen überreden, sich so ein Teil anzuschaffen, aber eventuell ein paar Denkanstöße geben. Als Erstes: Denk bloß nicht, das Du für schmales Geld eine optimale Kombination kaufen kannst. Ohne jetzt den Liebhabern der Emme (MZ) irgendwie zu nahe treten zu wollen, ist meine (persönliche) Meinung: Ein brauchbares Gespann fängt bei ca. 800 ccm an. Je nachdem für welchen Zweck das Gespann eingesetzt werden soll, mußt Du Dir im Vorfeld schon einige Gedanken machen, was will ICH überhaupt damit. Will ich am Sonntag mit Frau und einem Kind mal kurz 50 km zum nächsten Wald-Wanderweg zuckeln oder will ich evtl. auch mal ‘ne längere Urlaubstour mit 2 Kindern/Hund, Campingausrüstung etc. pp machen? Kann ich mit dem Geschoß auch in die Maloche fahren, damit die Frau die Blechbüchse zum Einkaufen nehmen kann? Hab ich 5 linke Daumen an jeder Hand, oder kann ich vielleicht selber - oder bei/mit Freunden schrauben? Habe ich zuhause ‘ne Garage oder wenigstens einen Parkplatz, wo nicht jeder Passant gleich mit den Fingern schauen kann? Das sind nur einige der Fragen, die Du Dir selber stellen solltest und vor allem die ALLERWICHTIGSTE !! Will ICH überhaupt so ein komisches Gefährt unterm Hintern haben?
Warum die Wichtigste? Ganz einfach, weil ein Gespann mit KEINEM anderen Fahrzeug zu vergleichen ist, und es nur ZWEI Möglichkeiten gibt, entweder Dir macht das Gespannfahren Spaß oder eben nicht!
Und jetzt fängt die Qual erst richtig an. Was für ein Gespann? Hmmmm……
Verschiedene Gespanne:
Wie eingangs schon erwähnt, sind es genauso wie bei den Solo Mopeds verschiedene Maschinen, die sich mehr oder weniger für den Gespann-Betrieb eignen. In der Einleitung hatte ich schon die MZ/Jawa-Fahrer geärgert, weil bei mir ein brauchbares Gespann erst bei ± 800ccm beginnt. Meine Kilometerleistung liegt bei ca. 30-35k km/Jahr. Ich fahre täglich und lange Strecken das ganze Jahr durch. Die mittlere Reisegeschwindigkeit liegt bei Autobahnfahrten bei ca. 140-150km/h. Das sind Geschwindigkeiten und Entfernungen, die schafft ein kleines, leichtes Gespann ganz einfach technisch nicht. Aber fangen wir mal unten an und arbeiten uns langsam nach oben.
Die Jawa/MZ oder liebevoll EMME :
Ein 2-Takt-Moped mit 250/350 ccm und meistens den superelastischen Seitenwagen mit einer Dreipunkt-Aufhängung des Seitenwagens. Die Bereifung entspricht in der Größe den normalen Solo-Rädern. Der Beiwagen ist gut gefedert und hat einen einfachen, komfortablen Einstieg.
+ Punkte:
Kaufpreis, Verbrauch, einfache Technik, ideales Winterfahrzeug, leicht, einfacher Einstieg in den SW,
Bei richtiger Behandlung beinahe unkaputtbar
Geräusch- und Abgas-Entwicklung, Leistung, schwache Lichtmaschine, Speichenräder, Qualität
Alles in allem als Zweit-Gespann zum Rumrutschen und als Winterfahrzeug für kurze Fahrten durchaus geeignet.
Bis 800 ccm
In dieser Gruppe findet man meistens privat zum Gespann umgebaute Maschinen neueren Datums, die, weil als Solo schon vorhanden, dem Eigentümer als billige Lösung erschienen. Durch dauernde Umbauten und Anpassungen und mit mehr oder meistens weniger handwerklichem Geschick (die im nachhinein auch sehr teuer waren), sind hier teilweise interressante, abenteuerliche und auch gute Gespanne entstanden, die teilweise preiswert verkauft werden. Vergessen sollte man in dieser Gruppe auch die älteren BMW’s/5/7, Bergmeister, NSU, Zündapps, usw. nicht, die damals als Gespannmaschinen gute Dienste leisteten.
Allerdings sind diese Motorräder nur noch bedingt alltagstauglich, da es teilweise schon erhebliche Engpässe in der Ersatzteil-beschaffung gibt und sie eigentlich nicht mehr den technischen Anforderungen der heutigen Zeit entsprechen.
Über 800 ccm:
An der Untergrenze finden wir hier z.B. die Suzuki VX 800 Highlander, meistens mit einem EML GT 2 1.5 Sitzer-Seitenwagen. Respektable Reisegeschwindigkeiten, mit einem relativ großem Stauraum, um mit Pappa, Mamma und 2 Kindern (bis ca. 6 Jahre) als günstiges Einsteiger-Gespann auch mal kurze Urlaubsfahrten machen zu können.
Auch die Honda ST 1100, Goldwing 1500, Vmax, BMW K1000/ 1100, Moto Guzzi’s, werden sehr oft als Zugmaschinen mit diversen Seitenwagen Fabrikaten eingesetzt. Die Eigenschaften einer guten Gespann-Maschine zeigen sich in der Kraftenfaltung aus dem unteren Drehzahlbereich. Beim Gespann sind weniger PS als Drehmoment gefragt. Wenig Drehzahl + noch mehr Drehmoment=Gute Gespannmaschine(Yamaha XS 1100)
Bis jetzt habe ich nur die "normalen" Gespanne erwähnt. Bei denen ist die Zugmaschine unbeweglich mit dem Seitenwagen verbunden.
Sicher, die neuen Gespanne haben erhebliche Anpassungen des Fahrwerks, des Rahmens, der Gabel und Rädern, über sich ergehen lassen müßen, um den meistens allzu strengen TÜV-Bestimmungen zu entsprechen. Das hat leider in Deutschland die Preise für starke, schnelle Gespanne in schwindelerregende Höhen getrieben die man als Otto-Normal-Verbraucher beinahe nicht mehr bezahlen kann. Für eine Goldwing 1500 mit einem EML GT 2001 Seitenwagen bezahlt man beinahe den gleichen Preis wie für eine Oberklasse-Blechbüchse auf Rädern.
Als Alternative für den absoluten Kneepads verschleissenden Kurvenheizer sind die sogenannten Schwenker Gespanne vielleicht interessant. Die Firma Kalich z.B. bietet für rund 10.000 Mark ein Gespann an, bei dem der Seitenwagen horizontal zur Fahrbahn bleibt und die Zugmaschine in der Kurve Schräglage wie beim Solo fahren bietet. Auch Armec vertreibt einen vergleichsweisen An-/Umbau für ein paar Mark mehr. Beim Flexit-Gespann geht auch der Seitenwagen bei Kurven in die Schräglage.
Warum ein Gespann?
Weils Spaß und Laune und Abenteuer und viel Platz und Aufsehen und Neid und Arbeit ist, und Geld kostet, und die Kinder, und der Hund, und die Katze, und im Stau stehen, und, und, und,….und weil man irgendwo ‘ne Schraube locker hat. Und da ich eingefleischter Gespannfahrer bin, müßte bei mir sogar mehr als eine Schraube locker sein. Wie schon gesagt Entweder/Oder, dazwischen gibts nichts. Was aber nicht heißt, daß ich nur Gespann fahre. Nicht immer aber immer seltener mach ich auch ‘ne Tour mit meiner Solo. Das fahren mit einem Gespann ist so eigen, daß man es eigentlich garnienicht beschreiben kann. Die Straßenlage, das Fahren an sich, die Kameradschaft mit anderen Gespannfahrern, das ganze drumherum, formt eigentlich den Virus Gespannfahren.
Schluß mit dem Gesülze:
Wenn Dich diese Worte jetzt neugierig gemacht haben, möchte ich Dich zum Schluß noch sehr eindringlich bitten, wenn du Dir ein Gespann kaufst, welches dann auch, ob groß, klein, billig oder teuer, mach einen Kursus bei einer Gespann-Fahrschule oder übe wenigstens mit einem erfahrenen Gespannfahrer ein paar Stunden auf einem gesperrten Parkplatz oder ähnlichen. Das Fahrverhalten von einem Gespann ist so grundverschieden von Deiner Solo-Maschine, daß Du ohne Übung eine Gefahr nicht nur für die anderen Verkehrsteilnehmer, sondern auch für dich selbst und Deine Familie bist. Egal wo oder bei wem du das Gespann kaufst, wenn der Verkäufer Dich ohne Fragen nach Deiner Fahrpraxis ohne Weiteres vom Hof fahren läßt, ob für ‘ne Probefahrt oder schon verkauft, LASS DIE FINGER davon. Wenn Du niemand kennst oder niemand mit einem Gespann in der Gegend wohnt, kannst Du über die Links auf meiner Homepage immer jemand erreichen, der Dir weiterhelfen kann.
Halt Deinen Hintern auf der Sitzbank und Deine Nase in den Wind
Bobo